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Off Topic

02.02.26 16:09

Thema: Ein Jahr E-Auto - und zurück zum W126

Hallo zusammen,

vielleicht interessiert es den einen oder anderen hier, ich habe ein einjähriges Experiment mit einem E-Auto gewagt, seit einer Woche ist die Karre wieder weg. Und ich fahre so wie vorher mit meinem 500er zu meinen Kunden in ganz Deutschland.

Wie es kam zum Experiment mit dem E-Auto kam:
Ich hatte im Herbst 2023 einen neuen Kühler in meinen W126 einbauen lassen. Der war ein Jahr später schon wieder undicht, gottseidank nur bei komplett kaltem Fahrzeug und es waren auch immer nur ein paar Tropfen. Trotzdem hatte ich auf allen Fahrten immer einen Zehn-Liter-Kanister mit Wasser dabei - und permanent ein schlechtes Gefühl. Meine damalige Werkstatt war über sechs Wochen nicht in der Lage, einen passenden Kühler aufzutreiben. Und für mich war klar, daß ich ab Mitte Januar 2025 einen absolut zuverlässigen Wagen brauche, weil ich ein neues Projekt auf dem platten Land zwischen Pforzheim und Karlsruhe hatte, das nur per Pkw erreichbar war. Der nächste Bahnhof einige Kilometer entfernt.

Daher hatte ich mich Mitte Dezember für das Experiment mit einem E-Auto entschieden, auch nach Rücksprache mit meiner Frau und vor allem mit meiner Tochter. Die war zu der Zeit seit etwas mehr als einem Jahr beruflich in München bei einer bayrischen Behörde angestellt und fuhr dabei immer wieder E-Autos als Mietwagen, um zu ihren Außenterminen zu kommen.


Welches E-Auto hatte ich gewählt und bei wem:
Ich hatte daraufhin Mitte Dezember 2024 bei FINN für zwölf Monate einen Hyundai Ioniq 6 in der Vollfettstufe gemietet, d.h. höchste Ausstattungsvariante, Allrad mit 325 PS. Eine andere Ausführung war zu der Zeit nicht lieferbar, ich hätte weder Allrad noch 325 PS gebraucht. Liefertermin war der 08.01.2025, Abgabetermin der 22.01.2026.


Was war gut:
Der Hyundai war grundsätzlich ein schönes Auto, bequeme Sitze, viel Platz für vier Personen, bei Bedarf Leistung im Überfluß. Meiner war außen hellgrau, innen fast weiße Ledersitze mit Heizung und Belüftung.


Das Fahren selbst war völlig unspektakulär - wenn, ja wenn die vielen übereifrigen Helferlein nicht gewesen wären. Die Reichweite lag auch bei Minusgraden immer über 400 realen Kilometern, im Sommer waren es fast 550 reale Kilometer. Der Verbrauch ist moderat, über ein Jahr und etwas über 18.000 Kilometern kam ich nach Bordcomputer auf einen Wert von 16,4 kWh pro 100 Kilometer. Das Laden am Schnellader war kein großes Thema, das ging rasend schnell von 20 auf 80 Prozent. Wenn ich das mal brauchte, war ich immer unter 20 Minuten fertig.


Weiterhin war ich vom Abstandstempomat begeistert. Keine Phantombremsungen bei langezogenen Linkskurven auf der Autobahn, weil auf der rechten Spur ein LKW fährt, kein abruptes Abbremsen oder Beschleunigen, sondern alles schön gleichförmig und angemessen. Meine letzten Erfahrungen mit einem adpativen Tempomat stammen aus einer E-Klasse, einem W211, den ich vor 15 Jahren fuhr. Und auch der automatische Scheibenwischer hat die allermeiste Zeit gut funktioniert. Auch hier war die Funktionsweise sehr viel besser als im W210 oder R129.
Und als alte Krämerseele war ich auch von den Kosten angetan. Trotz der monatlichen Miete, die übrigens alles wie Wartung, Versicherung, Verschleiß etc. enthielt, nur der Strom kam noch hinzu, lagen die Kosten pro Kilometer erheblich unter denen, die ich mit der längst abgeschriebenen S-Klasse habe. Falls es jemanden interessiert kann ich die Werte zur Verfügung stellen.


Was war weniger gut:
Beginnen wir mit der Schilder- und Tempolimiterkennung, eine nervige Fehlkonstruktion mit vielen Fehlalarmen, nervtötenden Gongschlägen beim Überschreiten des Limits um einen Kilometer pro Stunde. Kann man aber abschalten, dank EU-Verordnung kommt der Quatsch nach jedem Neustart aber wieder, später mehr dazu. Als nächstes wäre der "Spurhalteassistent" zu nennen: Permanente Lenkeingriffe, unangenehm und störend, aber ebenfalls abschaltbar. Nächstes Thema, der Müdigkeitswarner, leider überhaupt nicht zu prognostizieren: Meistens unauffällig, manchmal aber dauernervend. Ein Beispiel: Ich fahre noch keine zehn Minuten, bin gerade auf die Autobahn aufgefahren, kommt die erste Warnung, kurze Zeit später die zweite. Dann war manchmal Ruhe, manchmal kamen aber sieben oder acht Meldungen auf weniger als 150 Kilometern Fahrtstrecke. Besonders schlimm bei schlechten Sichtverhältnissen oder nach Baustellen mit weißen und gelben Markierungen übereinander. Und jedesmal eine Warnung im Display und fünf nervende Gongschläge, leider nicht abstellbar. Und Kommentar des Hyundai-Händlers: "Das dient doch Ihrer Sicherheit!". Na, schönen Dank auch...

Vor jedem Start gab es nach kurzer Zeit ein festes Procedere: Wagen "anlassen", warten, bis die Software so weit ist, dauert manchmal nur ein paar Sekunden, bis man die (völlig überflüssige) Meldung, man solle sich nicht ablenken lassen, wegklicken konnte, manchmal vergingen bis zu 20 Sekunden. Dann in die Menüs eintauchen, Tempolimit-Assi abschalten, dann Spurhalte-Assi abschalten, dann rückwärts aus der Garage fahren. Dabei dann das nächste Gebimmel, die Parksensoren. Sind zwar prinzipiell abschaltbar, schalten sich aber sofort wieder selbsttätig ein. Losfahren, Rekuperation auf Stufe vier stellen und mit One-Pedal-Feeling fahren. Das geht, bis man zum nächsten Mal den Rückwärtsgang rein macht, dann wird automatisch auf Stufe drei zurückgeschaltet. Warum, weiß niemand, aber es kommt ein nerviger, selbstverständlich nicht abschaltbarer Gong dazu. Dazu kommen weitere Feinheiten wie "Notbremsung" beim Einparken, weil ein Zweig der Hecke im Wind wedelt. Beim ersten Mal dachte ich, ich sei an eine unsichtbare Mauer gesemmelt, so abrupt blieb der Wagen stehen. Nach dem Aussteigen habe ich das Zweiglein gesehen. Gleiches geht, wenn man beim Rückwärtsfahren die Tür öffnet, um den Platz zu prüfen: Notbremsung mit Gang raus und Bremse rein. Tolle neue Welt!

Ein weiteres "Highlight" ist die Integration von Android Auto (Apple CarPlay geht kabellos): Geht per nur Kabel, dann wurden ausgewählte Apps auf den Bildschirm des Autos übertragen. Funktioniert meistens, manchmal (auf fast jeder Fahrt mindestens ein- oder zweimal) wird die Verbindung verloren, immer mit der Meldung "Das Mobilgerät reagiert nicht mehr." Dann ist Google Maps weg, meist genügte es, das Kabel abzuziehen, kurz zu warten und dann wieder einzustecken. Anfangs dachte ich, es hängt mit dem Ladezustand des Akkus zusammen, aber da gab es keinen wirklichen Zusammenhang. Besonders "nett" war dieses Feature, wenn man in einem unbekannten Gebiet auf die Navigation angewiesen war. Die interne Navigation von Hyundai habe ich nur ein- oder zweimal ausprobiert. Das war nach meinem Empfinden sehr viel schlechter als das was Google Maps bietet.
Und noch ein letztes Highlight: Das ständige Aufleuchten des Bremslichts, wenn man vom Gas geht. Auch hier gibt es eine "tolle" Verordnung, die das Einschalten des Bremslichts fordert, wenn eine bestimmte Verzögerung überschritten wird. Führt aber dazu, daß beim "Loslassen" des Strompedals sofort das Bremslicht leuchtet - sehr zur Freude der hinter einem Fahrenden.


Mein Fazit aus einem Jahr E-Auto:
Fährt grundsätzlich gut, Reichweitenangst oder Angst vorm Laden unterwegs ist nicht angebracht, das hat alles immer sehr gut funktioniert. Auch die Vorkühlung im Sommer und das Vorheizen im Winter sind eine feine Sache. Aber was nervt, sind die nicht oder nur sehr mühsam abstellbaren Helferlein, die eher nerven als wirklich zu helfen. Schön wäre es, wenn es für das ganze überflüssige Gebimmel, Gepiepse und Gerappel EINEN Knopf gäbe, mit dem man das alles abstellen kann. Dann wäre Ruhe und man könnte einfach nur fahren. Ich brauche keine Bevormundung in Form von Gebimmel, wenn ich auf der Autobahn den Gurt löse, um ein Taschentuch aus der Hose zu ziehen. Oder wenn meine Frau den Gurt löst, um ihre Jacke auszuziehen. Das nervt nur...

Ich bin jetzt erst einmal zurück beim V8-Verbrenner und fühle mich sehr wohl in meiner alten S-Klasse. Sicher wird es das eine oder andere Wehwehchen in den nächsten Monaten geben - und auch ordentlich Schmerz an der Tankstelle, wenn der 90-Liter-Tank aufgefüllt wird, aber das nehme ich gerne in Kauf. grinz

Gruß
Jens



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 02.02.26 19:39.
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Ein Jahr E-Auto - und zurück zum W126 Anhänge

JensBepunkt 388 02.02.26 16:09

Re: Ein Jahr E-Auto - und zurück zum W126

Daniel737 180 02.02.26 16:41

..schön geschrieben, Jens..

C63 188 02.02.26 18:14

Re: Ein Jahr E-Auto - und zurück zum W126

RALF-300SE 158 02.02.26 18:35

Stark, danke für die Interessanten Eindrücke (k.T.)

DerDennis 123 02.02.26 19:15

Re: Ein Jahr E-Auto - und zurück zum W126

heinrich 141 02.02.26 19:45

Re: Ein Jahr E-Auto - und zurück zum W126

maritim68 141 02.02.26 19:57

Re: Ein Jahr E-Auto - und zurück zum W126

sternzeituser 140 02.02.26 20:56

Re: Ein Jahr E-Auto - und zurück zum W126

tgrassner 136 03.02.26 16:29

Re: Ein Jahr E-Auto - und zurück zum W126

sir_toni 134 04.02.26 09:15

Re: Ein Jahr E-Auto - und zurück zum W126

Freddy671 130 04.02.26 11:25

Re: Ein Jahr E-Auto - und zurück zum W126

sir_toni 105 04.02.26 16:45

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ThomasD 125 04.02.26 11:49

Re: Ein Jahr E-Auto - und zurück zum W126

maritim68 156 04.02.26 17:43

Re: Ein Jahr E-Auto - und zurück zum W126

sir_toni 94 04.02.26 17:53

Re: Ein Jahr E-Auto - und zurück zum W126

Franz56 122 04.02.26 18:18

Re: Ein Jahr E-Auto - und zurück zum W126

260se DN 122 04.02.26 19:27

Jörg, falsch gedacht …

StefanSK 133 04.02.26 19:43

Re: Jörg, falsch gedacht …

260se DN 141 04.02.26 21:08

Warum moderne Autos objektiv besser, aber subjekti

maritim68 135 05.02.26 08:07

Re: Ein Jahr E-Auto - und zurück zum W126

heinrich 95 05.02.26 15:37

Re: Ein Jahr E-Auto - und zurück zum W126

maritim68 110 05.02.26 15:53

Re: Ein Jahr E-Auto - und zurück zum W126

Ventilsitzer 143 05.02.26 14:20



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