Hallo in die Runde,
ich denke, es liegt auch an den verschiedenen Märkten, die komplett konträr sind.
Du kannst als Hersteller nicht ein Modell auf zwei völlig unterschiedliche Märkte (China vs. Europa/USA) hin konstruieren. Das muss einfach in die Köpfe der Manager rein! Damit enttäuscht man nur beide Seiten!
Chinesen wollen:
• Displays. Keine Knöpfe.
• Digitalisierung (z.B. "Nomi" in einem Nio)
• Fahrverhalten ist eher zweitrangig
• Heimkino, vor allem auf den hinteren Plätzen. Die verbringen auch nach Feierabend (!) Zeit im Auto.
• Autonomes Fahren (dazu habe ich eine Studie gelesen: in China wollen das 25% (!); Deutschland und USA: nur 6%)
• Qualitäts
anmutung ("Materialqualität")
• Kurzlebige Modelle (sowohl von der Software als auch von der Haltbarkeit her) da diese geleast und nicht weiterverkauft werden
Bedingt: mehr Gewicht, mehr Komplexität, mehr "Ablenkung". Dadurch auch höhere Fehleranfälligkeit. Man sieht es ja heute schon: ein BMW i7 ist 5,39 Meter lang und inklusive Spiegel 2,19 Meter breit. Versuche den mal, in einer handelsüblichen Garage zu parken oder in eine Tiefgarage aus den 70ern zu fahren…
Ist dem Chinesen aber egal, da er sein Auto eh nur drei Jahre fährt und de facto auch kein Gebrauchtwagenmarkt existiert. Das will der Staat auch gar nicht, damit kontinuierlich neue Modelle in den Markt geflutet werden können. Vermutlich kauft Xi die alle auf und lässt sie verschrotten um seine Ziele zu erreichen. Und Garagen aus den 70ern existieren dort auch keine oder sie sind schon abgerissen.
Deutsche/Europäer (und vielleicht auch einige Amerikaner) wollen eher "oldschool", gerne garniert mit etwas neuer Technik:
• Knöpfe!
• Mechanisch herausgestellte Qualität (klickende Regler, satt ins Schloss fallende Türen, etc.)
• "Fahrvergnügen"
• Möglichst wenige Assistenten
• Stehen autonomen Fahren eher skeptisch gegenüber
• Displays sind für Straßen ohne autonomen Verkehr, eher hinderlich, da nicht "blind" bedienbar
• Langlebige Autos, da hier vorwiegend gekauft wird
Im Grunde musst Du für den einen Markt (China) eine günstig herzustellende Apple Watch herstellen, welche puncto Software absolut up-to-date ist. Warum die Chinesen hier so anders ticken, darüber kann man nur spekulieren. Mag wohl auch an der "Erziehung" durch den Staat liegen.
Die anderen Märkte wollen hochpreisige, mechanische Uhren in höchster Fertigungsqualität. Das ist das, was Deutschland konnte.
Dass sich beide Anforderungen beißen, kann man an drei Fingern abzählen.
Auch wenn es derzeit noch belächelt wird: ich denke, die Strategie von Audi, den chinesischen Markt dahingehend "aufzugeben" indem für die Submarke "Audi" eine Plattform des Herstellers SAIC genutzt wird, ist richtig. Lieber als Konzern 6% Deckungsbeitrag in China und 20% auf anderen Märkten als überall nur noch 8%.
Nur meine Meinung.
Gruß Markus
2-mal bearbeitet. Zuletzt am 28.06.26 11:24.