Hallo Toni,
dann hast Du aber verfluchtes Glück bis jetzt. Ich habe schon einige 211er-Fahrer kennengelernt und bisher fiel jedem die Farbe aus dem Gesicht, wenn er mal die Unterbodenverkleidung abgebaut hat. Vor 4 Jahren hatte ich deshalb sogar beim TÜV ein besonderes Erlebnis: Der Prüfer meinte, dass die Bremsleitungen erfahrungsgemäß unter der Plastikverkleidung vergammelt sind und er würde mich am liebsten einfach aufgrund seiner Erfahrungswerte nicht mehr mit frischer Plakette vom Hof fahren lassen, obwohl er die Leitungen gar nicht sehen konnte.
Was mich beim 211er am meisten ärgert, ist die Tatsache, dass mit Reparaturen richtig Geld gemacht wird. Zwei kleine Beispiele:
- Dass so ein Drallklappengestänge mal ausschlägt, ist völlig normal. Dass man dies noch beschleunigt, indem man das Gestänge aus Plastik fertigt, ist schon unverschämt. Was dem Fass den Boden ausschlägt, ist jedoch, dass es diese lächerlichen Stangen, die man problemlos tauschen könnte, nicht einzeln gibt. Man ist gezwungen, zwei komplett neue Ansaugbrücken zu kaufen, obwohl die eigentlichen Brücken vermutlich mehrere Autoleben lang halten würden. Aus einem zweistelligen Betrag für Material hat man so einen stattlichen vierstelligen Betrag gemacht und dann kommt noch ordentlich Arbeitszeit drauf.
- Die Zuleitungen zu den Luftfederbälgen hinten sind a) aus Kunststoff und b) nicht irgendwie mit den Federbälgen verschraubt, sondern einfach auf einen verzahnten Flansch aufgesteckt/gepresst. Im Alter wird diese Verbindung undicht. Die Federbälge an sich sind noch völlig in Ordnung, doch da man die Kunststoffleitung einzeln nicht austauschen kann (was theoretisch problemlos bei eingebauten Bälgen möglich wäre), muss der ganze entsprechende Luftfederbalg getauscht werden. Dies geht aber nur, indem man die komplette Hinterachse ausbaut und daher geht auch niemand das Risiko ein, nur eine Seite zu machen. Hier fällt wieder unnötigerweise ein ordentlicher vierstelliger Betrag an. Man hätte die Leitungen auch einfach mit Überwurfmuttern anschrauben können, wie es an unzähligen anderen Stellen auch gemacht wird. Dann wären es vielleicht 20 Minuten Arbeit und eine Leitung für einen zweistelligen Betrag.
Ähnliches habe ich schon beim W163 davor erlebt: Da fiel irgendwann ein ABS-Sensor aus. An sich völlig normal und unkritisch. Nachdem ich einen neuen verbaut hatte, war der Fehler jedoch immer noch da. Also habe ich gemessen und einen Kabelbruch gefunden: Der Sensor am Hinterrad wird an eine vielleicht 10-15cm lange Kabelpeitsche angeschlossen, die vom Innenraum in den Radkasten führt. Diese ist ständiger Bewegung durch das Fahrwerk ausgesetzt, was im Normalfall aber kein Problem sein sollte. Für solche Fälle gibt es hochflexible Litzen, die sich dadurch auszeichnen, dass sie mehr und dünnere Kupferfasern im Mantel haben, als eine normale Litze. Bei einem Querschnitt von 1mm² dürfte eine normale Litze vielleicht um die 50 Fasern haben, eine hochflexible über 100. Die an dieser Stelle verbaute Litze hatte 7(!) Fasern und war zudem Bestandteil des Innenraumkabelbaums. Der Kabelbaum an sich wäre vermutlich schon unbezahlbar gewesen und der Austausch sicher nicht weniger.
MB ist für mich mittlerweile ein reiner Abzockerverein. Bei der Entwicklung der Fahrzeuge wird immer mehr darauf geachtet, möglichst kostengünstig zu bauen, auch wenn es den Kunden im Reparaturfall ein Zehn- oder Hundertfaches kostet. Bei den Teilen ist es auch nicht besser: Vor 25 Jahren galt für mich noch die Devise: Kauf Originalteile, dann hast Du das beste. Das ist heute nicht mehr so. Weder beim alten 126er, noch beim neueren 211er. Beim 126er sind Teile von Drittanbietern oftmals qualitativer, als die des MB-Zulieferers. Bestenfalls ist es die gleiche Qualität zum zehnfachen Preis. Beim 211er habe ich gerade letztens erst gestaunt, als ich einen neuen Anlasser brauchte: Auf dem freien Markt finden sich Angebote von 50 Euro (Chinaware) bis 130 Euro (Bosch). Bei MB kostet der gleiche Bosch-Anlasser über 900 Euro.
Das Heckklappenschloss sollte bei MB 372 Euro kosten. Auf eBay gibt es Chinaware für knapp über 30 Euro. Da das Auto eh nur noch 2 Jahre halten sollte, habe ich mich für das Billigangebot entschieden und war ziemlich erstaunt, als ich es in den Händen hielt: Es ist bis ins allerletzte Detail zu 100% identisch mit dem Original. Gleiche Bleche, gleiche Kunststoffe, gleiche Verarbeitung. Ich würde meine Hand dafür ins Feuer legen, dass es keinen Unterschied gibt.
Grüße, Tilman (380SEC/83, 300TE/92)