Das hängt natürlich davon ab, auf welche Fahrleistung man pro Monat oder Jahr kommt. In Deinem geschilderten Fall wäre das natürlich völliger Irrsinn.
Ich habe hier ein ähnliches Dilemma in umgekehrt: Wir haben ein altes Bauernhaus mit großer Scheune auf dem Land. Ich kann locker 6 Fahrzeuge in die Tenne Stellen und auf dem Dach ist Platz für 30 kWp PV. Die PV ist für nächstes, spätestens übernächstes Jahr geplant.
Rein theoretisch ein Paradies für Selbstversorger: Man beschaffe sich für den täglichen Gebrauch ein E-Auto und muss sich nie wieder Gedanken um Energiepreise zu machen. Problem: Ich verfahre pro Jahr gerade mal einen Tank und Frauchen fährt auch nur 2-3 Mal pro Woche in die nur 5km entfernte Stadt. Selbst wenn man unsere Ausflüge noch dazu rechnet, bleiben wir zusammen deutlich unter 10tkm pro Jahr.
Der 126er lässt sich schon relativ problemlos und zu relativ moderaten Kosten instand halten, wenn man vom Fach ist. Beim 124er ist das nochmal drastisch günstiger, weil die Teileversorgung extrem gut ist. Sofern sich daran nichts ändert, kann ich so ein Auto ohne großen Aufwand die nächsten 25 Jahre, die ich mit etwas Glück noch Auto fahren kann, erhalten. Im gleichen Zeitraum würden jedoch zwei Neufahrzeuge anfallen, denn kein heutiges Auto lässt sich über solch einen Zeitraum mit wirtschaftlich vertretbarem Einsatz erhalten. Und damit ist die schöne Selbstversorger-Rechnung am Ar***.
Moderne Verbrenner kommen mir nicht mehr ins Haus. Der letzte W163 war schon schlimm von geplanter Obsoleszenz betroffen und beim aktuellen S211 hat man diese Fertigkeit bei der Entwicklung bis zur Perfektion beherrscht: Nichts hält länger, als es unbedingt muss und das betrifft mit Sicherheit alle neuen Fahrzeuge. Selbst, wenn man davon ausgeht, dass ein E-Auto deutlich weniger anfällige Technik hat, bleibt da für den Hersteller noch mehr als genug übrig, um dafür zu sorgen, dass das Auto möglichst nur eine vordefinierte Zeit hält.
Aufgrund der geringen Laufleistung pro Jahr war in meinen Augen die einzig sinnvolle Lösung, als Daily Driver, insbesondere für Frauchen, einen S124 anzuschaffen, ihn auf eine gute 2 zu restaurieren und mit Korrosionsschutz für die nächsten Jahrzehnte fit zu machen. Durch Zufall habe ich nicht nur einen wunderschön erhaltenen 300TE bekommen, sondern auch noch einen zweiten, nahezu baugleichen, der ausgeschlachtet und ins Teilelager einsortiert wird. Eigentlich hätte ich das Auto letztes Jahr schon fertig haben wollen, doch dann kam am Haus erstmal eine große Baustelle dazwischen, die viel Zeit und Geld gefressen hat, weshalb das Auto zurückgestellt werden musste. Nächstes Frühjahr werde ich den S124 fertig machen.
Natürlich gibt es in dem Plan auch noch Unbekannte. Die Ersatzteilversorgung, die für den 124er aktuell noch sehr gut ist, kann und wird sich in den nächsten beiden Jahrzehnten sicher deutlich ändern. Fragt sich nur, wie stark und wie weit ich mit meinem Teilelager komme. Ich könnte es mir auch bequem machen und alle X Jahre ein neues E-Auto leasen. Aber auch wenn wir es uns leisten könnten, tut es mir weh, so viel Geld zu verbrennen. Immerhin muss ich in den nächsten Jahren noch einiges ins Haus investieren und das, was übrig bleibt, würde ich lieber mit Frauchen zusammen für Essengehen oder schöne Urlaube ausgeben.
Grüße, Tilman (380SEC/83, 300TE/92)