Hallo Peter,
vor 20 Jahren ist der Erstbesitzer nach 20 Jahren Alltagsbetrieb einfach zur Niederlassung gefahren und hat für seinen 126er einen neuen Mittelschalldämpfer samt Endtopf bestellt. Dann war wieder 20 Jahre Ruhe

Und genau mit diesen Teilen fährst Du vermutlich heute noch rum. Die halten bei pfleglichem Umgang natürlich noch für 3 Generationen. Wenn Du jeden Tag damit umherfährst, müssten solche originalen, wesentlich haltbareren Teile doch mittlerweile auch wieder hinüber sein.
Heute ist das jedenfalls ungleich schwieriger. Heute kriegst Du IMASAF oder sonstiges Trompetenblech und bist nach 3 bis 5 Jahren Alltag wieder am rumschweißen. Einzige Alternative: Edelstahl.
Mich würde mal interessieren, wie Du oder dein Sohn das mittlerweile handhabt.
Wenn ich in meinem Fall nur an das Beispiel denke, eine Gummidichtung für die Fahrertür eines W124 zu kriegen. Ja, gibts im Nachbau. Nach einem Jahr kommt irgendwo Wasser rein, weil die Dichtung nicht vernünftig an der Fondtür anliegt und dort scheuert. Du weißt ja selber, wie bescheiden die Qualität von Gummiteilen ist. Oder kaufe mal einen vertrauenswürdigen Wärmetauscher, den Einbauaufwand kenn man ja. Oder einen Kotflügel. Oder Vorderachsteile für den W126. Entweder NML oder es wird in Gold aufgewogen.
Lass' heutzutage mal eine KE einstellen. Da will doch keiner mehr ran. Dein Sohn war eine rühmliche Ausnahme, war ja auch ein paar Mal dort. Aber er macht es ja leider auch nicht mehr. Dann gibt es vielleicht noch zwei, drei spezialisierte Werkstätten im Umkreis von 200km, die aber auch Wartezeiten von mindestens einem halben Jahr haben... natürlich blöd, wenn die Kiste jeden Tag ("daily") ran muss und man nicht noch ein weiteres Fahrzeug hast. Somit bleibt einem nicht anderes übrig, als sich das Wissen und Equipment selber anzueignen. Macht Spaß, kostet aber auch wieder Zeit.
Dabei ist es auch fast egal, ob man 10 oder 100 Km am Tag fährt. Es ist schlicht die Anzahl der Motorstarts und äußerlicher Faktoren wie Nässe und Salz, was manche Autos stärker als andere altern lässt. Ist alles nur meine Meinung aufgrund praktischer Erfahrungen. Aber die hast Du ja auch! Ich habe für mich festgestellt, dass es mittlerweile unverhältnismäßig teuer ist. Fahre seit 2001 meinen S124 und seit 2013 meinen heutigen 126er; die letzten 5 Jahre haben die Preise stark angezogen.
Daher habe ich auch Skrupel, die Autos mit Teilen, welche ich noch vor fünf Jahren ohne nachzudenken verbaut habe und die es heute nirgends mehr neu oder im guten Zustand gibt, im Alltag runterzuschrubben. Das ist so, als würde ich mit den rahmengenähten italienischen Schuhen auf der Bausteile Spieß anrühren. Kann man natürlich alles machen. So haben meine Kinder zumindest noch Spaß an gut gepflegten Autos oder sie können sie halt verticken.
Es liegt einfach an der Verfügbarkeit "guter" Teile begründet, mit denen man auch mal seine Ruhe hat. Denn um das damalige Niveau heute aufrecht zu erhalten, muss ich, leider, viel mehr Aufwand für die Suche nach Teilen und auch für Reparaturen - egal ob selber oder in einer passenden Werkstatt - investieren. Der höhere Verbrauch, ursprünglicher Auslöser dieses Threads, ist da m.E. zweitrangig. Dafür kann man Mercedes auch keinen Vorwurf machen - die können ja nicht jedes Teil nach 40 Jahren vorhalten. Ist einfach der Lauf der Dinge.
Aber ja, unsere Autos lassen Alltagsgebrauch - eine gewisse Zeit - uneingeschränkt zu. Und das ist ja das Schöne.
Gruß Markus
2-mal bearbeitet. Zuletzt am 13.09.26 14:35.